Ralf Schneider und Carsten Wunderlich zurück aus Hawaii: Spontan-Ehrung der Stadt Kreuztal und Bericht über den Wettkampf

28.10.2004

Ralf Schneider und Carsten Wunderlich zurück aus Hawaii: Spontan-Ehrung der Stadt Kreuztal und Bericht über den Wettkampf


Erfolgreich beim Triathlon World Championship in Hawaii

Spontanehrung für "Doc" Ralf Schneider und Carsten Wunderlich

Kreuztals Bürgermeister Rudolf Biermann hat es eine Spontanehrung genannt. Sportdezernent Horst Helmut Siebel begründete diese ungewöhnliche Feierlichkeit einmal mit der Aktualität, aber hauptsächlich mit den außergewöhnlichen Leistungen, die die beiden Triathleten Ralf Schneider und Carsten Wunderlich des EJOT Teams TV Buschhütten beim diesjährigen Ironman auf Hawaii gezeigt hatten. In der Gesamtwertung dieser Weltmeisterschaften kamen Ralf auf Platz 60 und Carsten auf Platz 166 (von rund 1500 Finishern).

Gerade mal einen Tag wieder nach einem 12.000 km – Flug in der Heimat, wurden die beiden Triathleten nebst Vereinsvertreter, Presse und Ralfs Mutter von der Stadt Kreuztal ins neue "Rathaus II" zu diesem festlichen Akt eingeladen. Alle offiziellen Reden durch Bürgermeister, Dezernent und letztlich durch Vereinsvorsitzenden Volker Knuff zeichneten sich durch eine Mischung aus Staunen über die Leistung (Horst Helmut Siebel: "Von Kreuztal nach Hagen und zurück sind es 150 km. Die Athleten haben 180 km mit dem Rad hinter sich...") und ein wenig Stolz, solche Hochleistungssportler in ihren Reihen zu wissen.

Umfangreiche Vorbereitungen

Ralf "Doc" Schneider und "Cawumm" Carsten Wunderlich berichteten schließlich über ihren Wettkampf in Hawaii. Ralf startet übrigens nach 1997, 1998 und 1999 bereits zum 4. mal dort inmitten des Pazifiks. Carsten startete erstmalig dort und ist der 4. Buschhüttener, der in Hawaii an den Start ging (Detlef Richter 1995 und 1999, Ralf Schneider –s.o.- und Michael Hoffmann 1999).

Beide berichteten von ihrer intensiven Vorbereitung. Wenn auch die Trainingsprogramme zu der laufenden Ligasaison noch andere waren, konzentrierten sich die beiden in den letzten Wochen allein auf das Ziel Hawaii. Ein zusätzliches Trainingslager über 10 Tage wurde eingebaut. Im Laufe des Jahres fuhren sie ungefähr 10.000 Trainingskilometer mit dem Rad und liefen mit 5.000 km etliche Laufschuhe durch. Trainierte Ralf noch ca. 300 km schwimmend, so musste Carsten an dieser Stelle verschämt die Augen verdrehen und stammelte: "1 Kilometer..." Das rief Teamchef Rainer Jung auf den Plan, der Carstens schusseligen Schwimmtrainingseinsatz halb schmunzelnd, halb mahnend kommentierte. Vor allen Dingen liegt ja die Saison 2005 quasi vor der Haustür...

Der Bericht aus Kona

Aber jetzt in die Hitze: man braucht ungefähr 1 Woche Akklimatisation, um den Jetlag zu überwinden, sich an die Lebensgewohnheiten anzupassen und letztlich das Klima zu verkraften. Selbst das Schwimmen im Meer war mehr als Training, denn Salzwasser kann in kürzester Zeit den Magen-Darm-Trakt durcheinander bringen (deshalb wird "Meerwasserschlucken" tatsächlich im Vorfeld "trainiert"). Am Vortag des Wettkampfes schaute natürlich jeder auf die Wetterprognosen: es soll heiß, aber wenig Wind geben. Die Prognose stimmte zu 50 %: es wurde knallheiß, aber der Wind war heftigst....

Die 550 Profis starteten eine viertel Stunde vor dem nächsten Pulk, nämlich ca. 1350 Athleten. Auf Drängen von Carsten zwängten die beiden Buschhüttener ziemlich weit nach vorne zum Start, obwohl dort das klassische Gemetzel ist (aber vielleicht wollte in dieser Position der Carsten Minuten retten...). Im warmen, aber bewegten Wasser kämpfte nun jeder für sich, die Orientierung ist knapp 2 km vom Ufer entfernt recht schwierig. Beide hielten gut durch und Ralf stieg an Position 264 aus dem Wasser, während Carsten 5 _ min später auf Platz 605 liegend nach ca. 3,9 km das rettende Ufer erreichte.

"Jetzt ging der Wettkampf erst richtig los," so Ralf. Es wurde brütend heiß. Auf der Lavapiste wurden die 45 ° C erreicht. Allerdings hämmerte der Wind heftig. Besonders anfällig waren die breiten Felgen der Räder, wo der Winde gut "packen" konnte, und man "schlickerte" schon mal quer über die Fahrbahn. Genau 180 km waren es, davon ca. 80 % mit Gegenwind, so dass manchmal nur Höchstgeschwindigkeiten von 20 km/h erreicht wurden. Umgekehrt bei Rückenwind: da gab es schon mal über etliche Kilometer 60 km/h. Letztlich ergab das Ganze einen Schnitt von 34 km/h ! Beide nutzten alle Verpflegungsstationen eingehend, denn Trinken ist das A und O des Wettkampfes. Immerhin verliert man durchaus 10 bis 15 l Flüssigkeit während des Wettkampfes.

Der Wechsel zum Marathon-Lauf war der Härtepunkt des Tages. Carsten quälten erstmals Gedanken ans Aufgeben, die aber durch eisernen Willen –und nur darauf kommt es an- überwunden wurden. Ralf startete (Zitat): "...wie ein alter Opa..." Das tat jetzt richtig weh. Und das in der brütenden Hitze ohne den angenehmen Fahrtwind... Ralf kam schnell in Tritt, hatte aber seine Krise um die 20 bis 21 km herum. Er komprimierte dieses Tief, in dem er länger an einem Verpflegungsstand verweilte, um dann doch noch mal richtig aufzudrehen. Beide Athleten kamen mit sehr guten Marathonzeiten in Ziel. Aber hier zählt die Gesamtzeit. Ralf brauchte für die 3,9 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42 km Laufen genau 9:48:51 Stunden. Er wurde 60. von allen. Carsten brauchte insgesamt 10:16:42 Stunden und wurde von allen 166. !

Nachlese

Beide haben den Wettkampf gut überstanden. Nur Ralf hatte das Pech, einen Tag vor dem Heimflug in einen Seeigel zu treten und rammte sich die Stachel tief in den Fuß. Das schmerzt... Aber jetzt ist erst einmal Trainings- und Wettkampfpause bis Anfang Dezember, denn dann beginnt schon der Aufbau für die Saison 2005.

Es sollte an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass die beiden reine Amateure sind, Amateure im klassischen Sinne: Idealisten wie sie nun sind, haben sie das Unternehmen Hawaii 2004 nahezu aus eigener Tasche bezahlt. Da ist man erst mal geschockt, wenn man von den 450 Dollar Startgeld hört... Obwohl das eine Weltmeisterschaft ist, zahlt kein Verband auch nur einen Cent Unterstützung. So blieben unsere Jungs auf den 2.000 Euro für den "ganzen Spaß" selbst sitzen...

Einmal mehr sind Buschhüttener wieder im Mittelpunkt des Sportgeschehens. Das veranlasste Bürgermeister Biermann zum treffenden Slogan:

"Kreuztal, meine Stadt. Buschhütten, unser Sportort...

Hawaii 2004
NamePlatz gesamtPlatzAKGesamtzeit hSwim hRad hLauf h
Schneider, Ralf60435-3909:48:5101:00:3105:20:0703:21:50
Wunderlich, Carsten1664130-3410:16:4201:06:0305:35:5203:27:34