Beinamputierte Sportler trainieren gemeinsam mit dem EJOT Team TV Buschhütten (4 Texte)

17.09.2004

Beinamputierte Sportler trainieren gemeinsam mit dem EJOT Team TV Buschhütten (4 Texte)


Behindertensportler trainieren gemeinsam mit dem EJOT Team TV Buschhütten

Das EJOT Team und eine besondere Normalität

Die Schwimmsaison 2004 im Freibad ist vorbei. In Buschhütten haben sich die Badegäste im Laufe des Sommers an einen ungewöhnlichen Anblick längst gewöhnt: regelmäßig absolvierten die Spitzensportler des EJOT Teams TV Buschhütten hier ihre Trainingseinheiten der 1. Triathlondisziplin. Das Besondere: unter diesen Hochleistungssportlern sah man am Beckenrand zwei beinamputierte Athleten !

Aber schon bald, wenn die Schwimmer wie an einer Perlenkette ihre Bahnen zogen, konnten die Badegäste die behinderten nicht mehr von den nicht behinderten Athleten unterscheiden. "Trainieren in einer Gruppe ist interessanter. Durch die Kontrolle von Technik und Zeit unter einem anwesenden Trainer ist für uns Behindertensportler genauso wichtig, wie z.B. für Triathleten, die in der Bundesliga starten", meint Klaus-Jürgen Müller, der als Beinamputierter (Schadensklasse S 9, einseitige Beinbehinderung) seinen größten Erfolg 1980 bei den Paralympics in Arnheim / Holland (aus weltpolitischen Gründen nicht in Moskau) feierte. Dort schaffte er die Endlaufteilnahme und holte sogar Staffel-Gold !
Anders als der inzwischen 55 jährige Klaus-Jürgen Müller, der sein Bein bereits 1964 durch ein Krebsleiden verlor und kurz darauf mit dem Leistungssport begann, ist der 36 jährige Marcus Helmes eher als "Newcomer" in der Schwimmszene anzusehen. Er verlor 1985 sein Bein durch einen Verkehrsunfall. Der gelernte Dreher aus Siegen konnte zwischenzeitlicheinige gute Plätze im Freistil auf Bezirksebene feiern. Bisher lagen seine sportlichen Ambitionen mehr beim Skilauf. Aber, so Helmes, "...erlebe ich hier mit dem EJOT Team einen richtigen Motivationsschub. Mit diesen Leuten macht es einfach Spaß. Sie ziehen mich regelrecht mit".

Peter Donner, Schwimmtrainer des EJOT Teams: "Ziel des gemeinsamen Trainings ist –das hat mir letztlich der Umgang mit behinderten Menschen während meines Zivildienstes gezeigt- die behinderten Sportler in das vorhandene Trainingsgefüge zu integrieren". Genau das funktioniert mit den beiden behinderten Sportlern vorzüglich, da sie aufgrund ihrer technischen und konditionellen Grundvoraussetzung die gleiche "Hürde" wie die nicht behinderten Athleten genommen haben, um in einer anspruchsvollen Trainingsgruppe mithalten zu können.

Für die Athleten des EJOT Teams ist die Teilnahme der behinderten Sportler selbstverständlich. Der Dahlbrucher Klaus-Jürgen Müller, der für den REHA -Sportverein Ferndorf startet und der der BSG Hilchenbach angehörende Marcus Helmes sind eine "feste Größe" innerhalb der Gruppe leistungsorientierter Triathleten. Deshalb spricht auch Trainer Peter Donner nicht von einem "Modell", weil in Buschhütten diese Konstellation Normalität ist. Grundsätzlich ist das Training auch für andere Behinderte offen. Lediglich natürliche Grenzen werden neben den konditionellen gesetzt: nicht jede Behinderung (z.B. beidseitige Amputationen) ist für ein gemeinsames Leistungstraining geeignet. Ein weiteres Problem tut sich vor allem in den Wintermonaten auf: die Kapazität der teuren –und knappen- Trainingsstunden ist bereits "ausgereizt".

Vertiefende Infos gibt es zu folgenden Themen:

Persönliches über Marcus Helmes

Persönliches über Klaus-Jürgen Müller

Interview zum Thema mit Schwimmtrainer Peter Donner

Eingescannter Originalbericht (JPEG) aus den TVG -Vereinsmitteilungen vom Oktober 1980 über die Goldmedaille von Klaus-Jürgen Müller (Bildqualität eingeschränkt, da das Original nicht mehr hergab)